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Grußwort von Gotthard Troll, Bürgermeister der Stadt Lössnitz

Sehr geehrte Eisenbahnfreunde,

ich darf Sie zum ersten Mal in unserer Stadt zu Ihrer traditionellen Veranstaltung, der Publikumsmesse des Arbeitskreises TT-Modellbahn e. V., sehr herzlich begrüßen.

Lößnitz ist eine bemerkenswerte Kleinstadt im westlichen Teil des Erzgebirges. Sie gehört heute zum Erzgebirgskreis und liegt, eingebettet von bewaldeten Höhenzügen, in einem lang gezogenen Tal und zählt etwa 10.000 Einwohner.

Lößnitz gehört zu den ältesten Städten des Erzgebirges. In einer Urkunde aus dem Jahre 1284 bezeichnete man den Ort bereits als "Civitas", was damals soviel wie "vollentwickelte Stadt" bedeutete. Dazu gehörte eine mächtige Stadtmauer mit drei Stadttoren, das Münzrecht, eine eigene Gerichtsbarkeit und ab 1304 sogar eine Lateinschule. Gegründet wurde Lößnitz von den Burggrafen zu Meißen. Erst im Jahre 1406 erwarb der Graf von Schönburg die Grafschaft Hartenstein und machte Lößnitz zu seiner Hauptstadt. Bedingt durch eine günstige Lage am Schnittpunkt zweier wichtiger Handelsstraßen (Salzstraße und Eisenstraße), konnte sich die Stadt ziemlich rasch entwickeln. Vielerlei Handwerke siedelten sich in ihren Mauern an und brachten damit den Bürgern Reichtum und Anerkennung. Allerdings spielte der Bergbau im Gegensatz zu anderen Städten im Erzgebirge nur eine untergeordnete Rolle.

Die Stadt Lößnitz war seit ihrer Gründung ein Ort des Handwerks und des Handels. So zählte man um 1600 bereits etwa 15 verschiedene Zünfte von unterschiedlicher Stärke. Aber auch die Märkte waren für die Stadtentwicklung von großer Bedeutung. So erwarb man bereits vor über 600 Jahren das Recht Salzmärkte durchzuführen, Wochenmärkte hielt man nachweisbar schon vor 555 Jahre ab, und den traditionellen Lößnitzer Weihnachtsmarkt gibt es seit über 300 Jahren.

Mit der etwa um das Jahr 1850 einsetzenden allgemeinen Industrialisierung wurde Lößnitz eine der bedeutsamsten Industriezentren des westlichen Erzgebirges. Aus den ehemals kleinen Handwerksbetrieben entwickelten sich teilweise recht ansehnliche Industriebetriebe. So wurde die Stadt u. a. ein Zentrum der sächsischen Schuhindustrie. Aber auch Maschinenbau, Textilveredlung- u. Verarbeitung und die Metallwarenindustrie siedelten sich in Lößnitz an. Auch der industriemäßige Abbau von Dachschiefer in den Abbaugebieten rund um die Stadt war zu dieser Zeit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Anbindung der Stadt an die Bahnlinie Chemnitz - Aue - Adorf im Jahr 1875 sollte sich zudem als besonders günstig erweisen.

Nach der politischen Wende im Herbst 1989 brach der überwiegende Teil der einst strukturbestimmenden Industriezweige weg. Das führte zu tief greifenden Veränderungen für die gesamte Region.

Kommt man heute nach Lößnitz fällt zunächst die Verschiedenheit im Stadtbild auf. Etwa ein Drittel der Lößnitzer Bürger wohnt in einem in den Jahren 1985 - 1992 am Rande der Stadt neu errichteten Siedlungsgebiet. In der Altstadt hingegen hat man noch vieles Erhaltenswertes bewahren können. Zwar gibt es, bedingt durch die zahlreichen Stadtbrände der Vergangenheit, kaum noch Reste der mittelalterlichen Bausubstanz, doch findet der Besucher auch heute noch viele interessante Zeugen vergangener Zeiten. Dazu gehören Teile der einstigen Stadtmauer, ein alter Wachturm, "Rösselturm" genannt, und das Portal des Rathauses aus dem Jahre 1601. Sehenswert ist auch die im Jahre 1826 eingeweihte wunderschöne Stadtkirche St. Johannis mit einem der ältesten Bronzeglockenspiele Deutschlands.

Vielleicht finden Sie im September Zeit, das eine oder andere (trotz großer und kleiner Eisenbahn) selbst in Augenschein zu nehmen. Sie werden überrascht sein, was die Stadt Lößnitz so alles zu bieten hat.

Ich freue mich gemeinsam mit den Einwohnern unserer Stadt sehr, Sie in Lößnitz am 05. und 06. September 2009 begrüßen zu dürfen.

Gotthard Troll
Bürgermeister der Bergstadt Lößnitz